Millionenförderung vom Bund für Thüringer Forschungscluster
Hochbau und Bauen im Bestand
Wie lassen sich bestehende Gebäude klimaneutraler, energieeffizienter und resilienter machen? Antworten darauf erforscht das Thüringer Innovationszentrum für nachhaltiges Bauen. Gemeinsam mit der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Thüringen werden ab Oktober 2026 neue Bauweisen exemplarisch an Bestandsgebäuden in Erfurt und Gotha erprobt. Dafür erhält das Thüringer Konsortium, bestehend aus Bauhaus-Universität Weimar, Materialforschungs- und Prüfanstalt (MFPA) Weimar und IAB – Institut für Angewandte Bauforschung gemeinsam mit Industriepartnern, rund eine Millionen Euro Fördermittel vom Bund, die über Eigenanteile der beteiligten Industriepartner ergänzt werden. Es ist das erste Projekt, welches im Rahmen des neu gegründeten Deutschen Forschungszentrums für zukunftsfähiges Bauen (DFZ Bau) umgesetzt wird.
Bauen im Bestand als Schlüssel zur Klimawende
Pro Jahr verursacht der Gebäudesektor in Deutschland rund 100 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen. Dabei ist ein Großteil der Gebäude bereits gebaut. Um Deutschlands Klimaziele bis 2045 zu erreichen, setzt das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen auf innovative Ansätze aus der Bauforschung. Am Freitag, 25. September 2026, überreichte Bundesbauministerin Verena Hubertz den drei Gründungsmitgliedern des Deutschen Forschungszentrums für zukunftsfähiges Bauen (DFZ Bau) – vertreten durch die Ministerpräsidenten Cem Özdemir und Mario Voigt sowie Dr. Andreas Handschuh, Chef der Sächsischen Staatskanzlei – in Berlin jeweils eine Millionen Euro Fördermittel für initiale Forschungsvorhaben in Sachsen, Baden-Württemberg und Thüringen.
Von der Forschung auf die Baustelle
»Bauen im Bestand ist eine zentrale Zukunftsaufgabe des Hochbaus. Gefragt sind Lösungen, die Gebäude nicht nur energieeffizienter machen, sondern sie zugleich an die Folgen des Klimawandels anpassen, Ressourcen schonen und ihre Lebensdauer verlängern. Innovative Bauforschung schafft dafür die Grundlagen: Sie untersucht neue Materialien und Konstruktionsweisen, entwickelt Technologien für die Sanierung und fragt danach, wie Gebäude langfristig klimaneutral, ressourcenschonend und resilient genutzt werden können«, erläutert Robert Fetter, Geschäftsführer des IAB Weimar. Gemeinsam mit Prof. Peter Benz, Präsident der Bauhaus-Universität Weimar, vertritt er das Thüringer Innovationszentrum in Berlin. Auch Forschungsvorhaben von Prof. Viktor Mechtcherine (TU Dresden) und Prof. Achim Menges (Universität Stuttgart) werden vom Bund gefördert. Der Projektstart in Sachsen und Baden-Württemberg ist jeweils für Dezember 2026 anvisiert.
Bauwende beginnt in Thüringen
Mit der Gründung des Deutschen Forschungszentrums für zukunftsfähiges Bauen (DFZ Bau) an den drei Standorten Weimar (Thüringen), Dresden (Sachsen) und Stuttgart (Baden-Württemberg) werden dafür aktuell die nötigen Strukturen geschaffen. Bereits im April 2026 wurde der Grundstein für einen Technikumsneubau in Weimar gelegt, das Richtfest folgt im Dezember – diese Geschwindigkeit in der Umsetzung ist einer der Thüringer Erfolgsfaktoren. Das Besondere: »In Weimar treffen jahrzehntelange Bauforschung, innovative Unternehmen und starke Partner aus Wissenschaft und Praxis aufeinander. Mit dem Deutschen Forschungszentrum für zukunftsfähiges Bauen wollen wir dieses Wissen schneller in konkrete Lösungen übersetzen – vom Labor auf die Baustelle und damit in die Praxis. So kann von Thüringen aus die Bauwende mitgestaltet werden«, erklärt Ministerpräsident Mario Voigt.
Erfurt und Gotha werden zu Reallaboren
An realen Bauobjekten sollen nun innovative Lösungen aus der Forschung getestet werden. Dabei handelt es sich um zwei Bauvorhaben der LEG in Erfurt und Gotha. Mithilfe digitaler Technologien soll zunächst der Zustand der Gebäude automatisiert erfasst werden. Aus den Daten wird ein digitales Modell erstellt, mit dessen Hilfe eine computergestützte Planung von Umbau- und Sanierungsprozessen in einem Building Information Model (BIM) ermöglicht wird. Zudem ist das Ziel, die beim Umbau anfallenden lokalen Baustoffe weitgehend vor Ort zu recyceln und Abbruchmaterial als Ersatzbaustoffe für den Wohnungsbau und die energetische Sanierung einzusetzen. Ergänzend sollen neue, klimaneutrale und nachwachsende Baustoffe zum Einsatz kommen.
Weimar bündelt Bauforschung und Innovation
Das Thüringer Innovationszentrum für nachhaltiges Bauen (ThiZ-Bau) bündelt die Kompetenzen dreier etablierter Partner: des F.A. Finger-Instituts für Baustoffkunde (FIB) an der Bauhaus-Universität Weimar, der Materialforschungs- und -prüfanstalt (MFPA) sowie des IAB Weimar. Gemeinsam decken sie die gesamte Innovationskette von der Grundlagenforschung bis zur anwendungsnahen Entwicklung ab. Mit rund 500 Forschenden verfügt Weimar bereits heute über eine außergewöhnlich hohe Kompetenzdichte im Bereich Bauforschung.
Forschungsstärke für die Praxis nutzen
»Die Zukunft des Bauens entscheidet sich ganz wesentlich daran, wie wir mit dem umgehen, was bereits gebaut ist. Für die Bauhaus-Universität Weimar ist es deshalb besonders wichtig, Forschung nicht nur im Labor zu betreiben, sondern gemeinsam mit starken Partnern unter realen Bedingungen zu erproben. Das Thüringer Pilotprojekt zeigt exemplarisch, wofür der Forschungsstandort Weimar steht: Wir verbinden wissenschaftliche Exzellenz in den Bereichen Bauen, Materialien und Digitalisierung mit konkreten gesellschaftlichen Herausforderungen und bringen neue Erkenntnisse möglichst schnell in die Anwendung. Dass das erste Projekt des Deutschen Forschungszentrums für zukunftsfähiges Bauen aus diesem Verbund hervorgeht, unterstreicht die besondere Stärke und das Potenzial unseres Forschungsökosystems in Weimar«, sagt der Weimarer Universitätspräsident Prof. Peter Benz.
Foto: Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB)